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Das Verhüten von Fischkrankheiten (Prävention)
Unserer besonderer Dank gilt Hartmut-Chr. Biallas , einen der besten Fischphysiologen

Das Verhüten von Fischkrankheiten (Prävention)
von Hartmut-Chr. Biallas

Grundvoraussetzungen zur Pflege von Aquarienfischen:

Fische sind wie kaum ein anderes Tier, welches sich in Obhut des Menschen befindet, von ihrem Pfleger abhängig. Sie können ihren Lebensraum „Aquarium“ nicht selbständig verlassen, gleichgültig wie lebensfeindlich er durch z.B. mangelnde Wasserpflege geworden ist. Oft zeigen erst kränkelnde oder sogar tote Fische, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Vor der Anschaffung von Aquarienfischen, gleichgültig welcher Arten, sollte sich der zukünftige Aquarianer über folgende Fragen anhand von Fachliteratur, des örtlichen Aquarienvereins und/oder Befragung des Zoofachhändlers Klarheit verschaffen:
- wie groß muss der Lebensraum der künftigen Aquarienbewohner sein und kann ich diesen zur Verfügung stellen?
- welche Technik wird benötigt?
- welche Ansprüche hinsichtlich der Wasserparameter und der Nahrung haben die Tiere ?
- passen sie auch in ihrem Sozialverhalten und der Größe zusammen?
- welche Bepflanzung und/oder Dekoration und Bodengrund benötigen sie?
- wie gestaltet sich die regelmäßige Pflege des Aquariums ( Wasserwechsel, Filter und Pflanzenpflege usw.) und welche Intervalle sind einzuhalten?
- kann allen Ansprüchen dauerhaft entsprochen werden?
- sind die laufenden Kosten berücksichtigt worden?
- wer pflegt die Fische während Abwesenheit (Krankheit, Urlaub usw.)?
Erst wenn alle Fragen geklärt sind und somit der Anschaffung eines Aquariums nichts mehr im Wege steht, sollten weitere wichtige Punkte (welche Fisch- und Pflanzenarten genau, Einfahrzeit des Filters usw.) mit dem Zoofachhändler besprochen werden.
Welche Probleme können auftauchen? Außer schlecht wachsenden Wasserpflanzen oder immer wieder kehrenden Algenproblemen, sind auftretende Fischkrankheiten das häufigste Problem mit dem künftige- und auch erfahrene Aquarianer zu kämpfen haben. Sie sollten wissen was Krankheit ist, wie sie entsteht, wie sie erkannt wird und wie sie behandelt werden kann. Das Ziel sollte aber sein, Krankheiten durch optimale Pflege gar nicht erst entstehen zu lassen.
Was ist Gesundheit? Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bedeutet Gesundheit körperliches, geistiges und psychisches Wohlbefinden. Dies lässt sich mit kleinen Abweichungen durchaus auch auf Fische übertragen. Wir brauchen lediglich geistig und psychisch durch artgerechtes Verhalten zu ersetzen.
Woran erkenne ich gesunde Fische? Am Verhalten der Fische wie: Schwimmverhalten (kein Schaukeln, Torkeln oder Drehen), Futteraufnahme, der Art entsprechendes Sozialverhalten, ruhige Atmung, Laichbereitschaft usw. zum einem. Zum anderen am optischen Eindruck. Vor dem Erwerb von Fischen sind folgende Punkte besonders zu beachten:
- Die Flossen sind vollständig, entsprechen in Form und Größe der Art und sind augenscheinlich gesund.
- die Schleimhaut und Schuppen sind makroskopisch frei von Verletzungen und Parasiten.
- die Augen sind klar und nicht hervorgetreten.
- die Körperform ist der Art entsprechend (kein aufgetriebener Bauch usw.)
- die Wirbelsäule ist gerade.
- beide Kiemendeckel sind gleichmäßig vorhanden und geformt und stehen nicht ab.
- artgerechte Körperfarbe, nicht zu hell und nicht zu dunkel (darauf ist besonders bei Diskusfischen zu achten).
Wie lange bleibt der Fisch gesund? Solange wie sich sein Abwehrsystem mit den ihn umgebenen Krankheitserregern im Gleichgewicht befindet.
Wann wird der Fisch krank? Er wird krank wenn sich dieses Gleichgewicht zu seinen Ungunsten verschiebt. Dieses zu vermeiden ist die Aufgabe des Pflegers, denn alle im Aquarium auftretenden Fischkrankheiten haben in Pflegefehlern ihren Ursprung, welche der Verbreitung von Krankheitserregern Vorschub leisten. Alle, die Lebensqualität der Fische bestimmenden Parameter werden vom Pfleger beeinflusst. Zu glauben alle fischwichtigen Werte unter Kontrolle zu haben ist ein Trugschluss. Nicht alle die Gesundheit der Tiere beeinflussenden Faktoren sind messbar. Allein die im Vergleich zur Natur unglaublich hohe Keim- und Erregerdichte im Aquarium ist eine vom Pfleger nur selten nachgemessene Tatsache. Wobei es keine Rolle spielt, wie groß das Aquarium ist.


Das blosse Vorhandensein von Parasiten als alleinige Ursache von kränkelnden und/oder kranken Aquarienfischen?
Diese Ansicht ist in Aquarianerkreisen weit verbreitet. Dabei sind in Massen auftretende Parasiten lediglich die Spitze des Eisberges. Der größere Teil liegt in der Summe von krankmachenden Umweltfaktoren vergraben. Diese gilt es aufzuspüren, abzustellen und künftig zu vermeiden.
Auch die Annahme, dass durch Fische ohne obligate Parasiten das Problem Krankheit der Vergangenheit angehört, ist eine Fehleinschätzung. Jeder Fisch wird bei Vernachlässigung wichtiger Pflegeelemente krank, sei er nun frei von einzelnen Parasitenstämmen oder nicht. In einer intakten Umwelt dagegen, wird er auch mit Parasiten von schwerwiegenden Erkrankungen weitgehendst verschont bleiben. Normalerweise leben Parasiten in Einklang mit ihrem Wirt. Ihn soweit zu schädigen, dass er erkrankt oder sogar stirbt, liegt nicht in ihrem Interesse. Ob Tier oder Mensch, jeder Organismus ist mit einer Reihe von Krankheitserregern infiziert. Deshalb ist er aber noch lange nicht krank.
Erst ,wenn durch Verschlechterung der Umweltbedingungen das empfindliche Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit verschoben wird, kann es zu Massenvermehrung der jeweiligen Erreger, und allen damit verbundenen nachteiligen Auswirkungen kommen. Im Folgenden möchte ich einige wichtige Ursachen aufzeigen, die zum Ausbruch von Erkrankungen führen können.

Stress als Auslöser von Krankheiten.
Einige mögliche Stressfaktoren, die ihrerseits zu Stress und somit zum Ausbruch von Krankheiten führen können, sollen im folgenden genauer betrachtet werden.

Nicht nur für den Menschen ist Stress eine der häufigsten Ursachen für vielerlei Erkrankungen. Es wurden im Gegenteil, gerade beim Tierversuch erhebliche Kenntnisse über das Phänomen Stress gewonnen. Das Wort „Stress“ stammt aus dem Englischen und bedeutet Druck oder Belastung. Es gibt eine Reihe von Stressfaktoren, die in ihrer Summe, Dauer und Intensität den Grad der schädigenden Wirkung ausmachen.
Kurz anhaltender Stress kann eine Verbesserung der Anpassungsfähigkeit (Steigerung der Abwehrlage), lang andauernder Stress dagegen eine Verringerung der Abwehrkräfte zur Folge haben.
Eine vorübergehende Temperaturerhöhung z.B., kann sich im Falle von sogenanntem „weissen Kot“ bei Diskusfischen positiv auswirken. Nach dieser zeitlich begrenzten Massnahme, die mit Sicherheit auch erheblichen Stress hervorruft, normalisieren sich die Symptome häufig. Wird die hohe Temperatur, die auch eine Reihe von negativen Begleiterscheinungen hervorruft, auf unbestimmte Zeit beibehalten, ist das Gegenteil der Fall.
Die Abwehrkräfte werden verringert und die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten erhöht. Dieses Beispiel soll lediglich zur Veranschaulichung dienen. Die genauen Vorgänge im jeweiligen Organismus sind weitaus komplizierter. Nun ist der Fisch in einem Aquarium einer Vielzahl für ihn ungewohnten Reizen, sprich Stressfaktoren ausgesetzt, denen er sich in einem mehr oder weniger engen Rahmen auch anpassen kann. Wird dieser nicht immer leicht erkennbare Rahmen gesprengt, erkranken die Tiere.

Wasserparameter
Der Gesamtsalzgehalt, der pH- Wert und die Temperatur des Aquariumwassers sind entscheidende Faktoren für das Wohlbefinden der Fische .

Für jeden Aquarianer selbstverständlich: Neuerworbene Fische müssen an ihren künftigen Lebensraum langsam angepasst werden. Warum überhaupt?
Der Gesamtsalzgehalt des Wassers spielt dabei eine wichtige Rolle. Er wirkt sich in erster Linie auf die Osmoregulation (Mechanismus zur Aufrechterhaltung des Wasser- Salzgleichgewichtes im Körper) aus. Die Salinität (Salzgehalt) der Ursprungsgewässer von Aquarienfischen ist sehr unterschiedlich, jedoch relativ stabil. Die Fische haben sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte an die jeweilige Salinität der von ihnen besetzten Lebensräume angepasst. Sie müssen ungeachtet vom Salzgehalt des Umgebungswassers, ihren körpereigenen Wasser- Salzhaushalt konstant halten. Dieses Bemühen wird insofern erschwert, dass in den Körper von Süsswasserfischen ständig Umgebungswasser eindringt. Wie kommt es dazu? Verantwortlich ist das naturbedingte Ausgleichbestreben zweier, durch eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran getrennte, verschieden hoch konzentrierter Flüssigkeiten.
Beim Beispiel Fisch wandert das Lösungsmittel (Umgebungswasser) in Richtung der höheren Konzentration (Körperflüssigkeit) um diese zu verdünnen, bzw. auszugleichen. Dieser Vorgang wird als Osmose bezeichnet. Halbdurchlässige Membranen lassen z.B. Wasser-, nicht aber NaCl Ionen passieren. Je höher nun der Konzentrationsunterschied zwischen den Innen- und Aussenseiten der Membranen ist, um größer ist die Kraft mit der sich das Lösungsmittel zum Ort der höheren Konzentration bewegt. Diese Kraft lässt sich messen und wird als osmotischer Druck bezeichnet. Diesem Vorgang müssen die Fische mit ihrem osmoregulatorischen System, mehr oder weniger entgegenwirken. Wobei eine Erhöhung des Salzgehaltes- in den meisten Fällen besser vertragen wird als eine Verringerung. Die Kiemenmembranen der Fische sind sehr dünnwandig und weisen eine besonders grosse Oberfläche auf, um einen optimalen Sauerstoffeintrag in die Blutkapillaren zu gewährleisten.
Eingangspforten des Umgebungswassers in den Fischorganismus sind deshalb vorrangig die Kiemenmembranen, aber auch die Innenhäute des Mund- und Nasenraumes. Gleichzeitig verliert der Organismus über diese Oberflächen ständig Körpersalze. Die Epidermis (Aussenhaut) des Fisches ist aufgrund ihrer Struktur davon weniger betroffen. Den ständigen Wasserzufluss begegnen Süsswasserfische mit sehr leistungsfähigen Nieren, die ständig verdünnten Harn ausscheiden. Gleichzeitig wird durch sogenannte Chloridzellen in den Kiemen der Fische, der entstandene Salzverlust wieder ausgeglichen. Außer an den osmoregulatorischen Vorgängen, sind die Chloridzellen maßgeblich an der Entgiftung des Körpers beteiligt.
So wird z.B. das aufgenommene Chlorid gegen Kohlendioxid ausgetauscht. Die Fähigkeit mit ungewohnten Salzgehalten umzugehen, ist von der Fischart-, dessen Lebensraum und der Anpassungsfähigkeit ihres osmoregulatorischen Systems abhängig.
Dauerhafte, für die Fische ungewohnte Salzgehalte beeinträchtigen den Zellstoffwechsel, führen zu Dauerstress und somit zu höheren Krankheitsanfälligkeit. Im Gegensatz dazu führt unter nicht immer vermeidbaren Stresssituationen wie Transport, Eingewöhnung usw. eine Erhöhung der Osmolarität (Menge der gelösten Teilchen) des Wassers, zur Entlastung des osmoregulatorischen Systems. Das wiederum entlastet die Nierentätigkeit, verbessert das Wohlbefinden des Fisches und erhöht auf diese Weise die Stressresistenz.
Der pH- Wert (potentia Hydrogenii) bezeichnet den Säure/Basengehalt des Wassers. Er sagt aus, ob ein Wasser sauer oder alkalisch reagiert. Der pH- Wert wird in einer Skala dargestellt, die von 0 bis 14 reicht. Wobei pH 0 extrem sauer, pH 7 neutral und pH 14 extrem alkalisch ist. Diese Skala ist logarithmisch aufgebaut. Das bedeutet bei einer pH Verschiebung von nur einer Einheit in den sauren Bereich, eine Verzehnfachung der Wasserstoffionen. Bei zwei Einheiten wäre es schon die Hundertfache Menge. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass schon geringe, schnell herbeigeführte pH Sprünge negative Reaktionen bei den Fischen hervorrufen können. Der pH- Wert alleine sagt aber nichts über die Qualität des jeweiligen Wassers aus. Er muß vor allem im Zusammenhang mit Co² und KH beurteilt werden. Dieses „Karbonatsystem“ ist der natürliche Puffer von Säuren und Basen des Wassers.

Dem pH- Wert ist die gleiche vitale Bedeutung beizumessen wie dem Gesamtsalzgehalt. Er beeinflusst im Organismus des Fisches unter anderem: Die Aufnahme von Sauerstoff sowie dessen Transportkapazität im Blut. Ausserdem den Gasaustausch in der Schwimmblase und den Kiemen.

Die Aufrechterhaltung des Säuren/Basen - Gleichgewichtes im Fischblut ist in erster Linie vom Kohlensäure - Hydrogenkarbonat - System abhängig. (Intermediäre) Stoffwechselvorgänge und ein zu hoher CO² Gehalt des Umgebungswassers bzw. der Gewebsflüssigkeit können zur Übersäuerung des Blutes führen. Der Organismus versucht durch Steigerung des Blutplasmagehaltes an Hydrogenkarbonaten den physiologischen pH aufrecht zu erhalten. Umgekehrt wird bei zu hohem pH durch Abnahme von Hydrogenkarbonaten im Blutplasma und Zuführung von Kohlendioxyd der pH im Blut gesenkt. Verantwortlich für diese Vorgänge ist ein bestimmtes, im Fischblut enthaltenes Enzym, die Carboanhydrase.
Starke physiologische Abweichungen des pH- Wertes im Blut, haben massive Kreislaufprobleme, bis hin zum Kollaps- und Tod der Tiere zur Folge.

Die Fähigkeit mit pH Änderungen fertig zu werden ist von der Fischart, deren naturgemässe Adaption sowie dem momentanen Ausgangswasser abhängig.
Je nach dem wie stark und in welche Richtung (sauer oder alkalisch) der pH sich verschiebt, kommt es entweder zur Säure- oder Laugenkrankheit. Hier genaue Grenzwerte nennen zu wollen ist äusserst schwierig. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sogenannte „Weichwasserfische“ (Diskus, Neon usw.) besser mit niedrigen pH- Werten zurechtkommen als „Hartwasserfische“, z.B. aus den ostafrikanischen Grabenseen. Gleiches gilt in umgekehrter Folge für hohe pH- Werte.

Als Richtlinie zur Pflege ist auf jeden Fall das Heimatgewässer der zur pflegenden Fischart zu berücksichtigen. Wobei Extremwerte in beide Richtungen unbedingt vermieden werden sollten, da es im Aquarium sehr schwierig ist, extrem niedrige oder hohe pH- Werte auf Dauer stabil zu halten.
Symptome der Säurekrankheit
a. Verhalten
Unruhe, erschwerte Atmung, umherschiessen im Wasser, springen, schräg stellen (mit dem Kopf Richtung Wasseroberfläche), Seitenlage, taumeln, Erstickungserscheinungen bis hin zum Erstickungstod durch Zerstörung des Kiemengewebes.

b. äusseres Erscheinungsbild
Der Körper und die Kiemen sind übermässig von Schleim überzogen. Was ursprünglich dem Schutz dienen soll, wirkt sich auf den Kiemenepithelien zusätzlich atemerschwerend aus. Im weiteren Verlauf milchig, trübe Verfärbung- und Ablösung der Schleimhaut. Der Fisch ist in diesem Stadium dem Befall von verschiedenen Ektoparasiten schutzlos ausgeliefert. Die Kiemen sehen im Endstadium flächig, braun verfärbt aus.

Symptome der Laugenkrankheit
Ähnliche Symptome wie bei der Säurekrankheit mit Verätzung von Kiemen und Flossen. Unter anderem hervorgerufen durch biogene Entkalkung des Wassers, was einen pH- Wert Anstieg von über 10 zur Folge haben kann. Biogene Entkalkung entsteht durch starkes Pflanzenwachstum und dem damit verbundenen CO² Verbrauch. Ist kein CO² mehr vorhanden, zerfällt das Kalziumhydrogenkarbonat zu Kohlensäure und unlösliches Kalziumkarbonat, welches sich als sichtbare Kalkablagerungen auf den Wasserpflanzen bemerkbar macht. Dieser Vorgang ist unbedingt zu vermeiden, z.B. durch Zuführung von zusätzlichem CO² und/oder Auslichtung der Pflanzenbestände. Die Auswirkungen eines zu hohen pH- Wertes unter Anwesenheit von Ammoniumverbindungen wird an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich behandelt.

Der Wassertemperatur ist die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Gesamtsalzgehalt und dem pH- Wert. Sie beeinflusst u.a. den Sauerstoffgehalt des Wassers, den Stoffwechsel, die Atmung und den Herzschlag der Fische. Die meisten unser gepflegten Aquarienfische haben sich entwicklungsgeschichtlich einer relativ temperaturstabilen Umwelt angepasst. Fische sind poikilotherme (wechselwarme) Tiere, die kaum physiologische Möglichkeiten besitzen, ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Deshalb ist ihre Körpertemperatur meist gleich der Temperatur des Umgebungswassers. Weicht die Wassertemperatur um mehr als 10°C von der adaptierten Temperatur in die eine oder andere Richtung ab, kann das zur Wärme-, bzw. Kältestarre führen, welche irreversibel ist. Wobei eine Verschiebung in den höheren Temperaturbereich besser vertragen wird als in den niedrigen.

Ansteigende Temperaturenmachen sich durch eine Erhöhung der Stoffwechselrate bei gleichzeitig erhöhtem Sauerstoffbedarf und verringertem Sauerstoffgehalt des Wassers bemerkbar. Die Fische werden aktiver, was einen höheren Sauerstoffbedarf zur Folge hat. Da der Gehalt an gelöstem Sauerstoff im Wasser bei steigenden Temperaturen abnimmt, sind die betroffenen Tiere erheblichem Stress ausgesetzt. Die Vergrösserung der Permeabilität (Durchlässigkeit) von Zellmembranen bei steigenden Temperaturen kann zusätzlich zu osmoregulatorischen Problemen führen, was sich besonders negativ an den Kiemen der Fische auswirkt. Übersteigt die Wassertemperatur um mehr als 10°C die gewohnte Pflegetemperatur, verfällt der Fisch wie schon erwähnt in eine Wärmestarre und stirbt.

Sinkende Wassertemperaturen wirken sich nicht weniger dramatisch auf die Fische aus. Die Sauerstoffaufnahme wird durch die erniedrigte Atemfrequenz und den sinkenden Herzschlag stark eingeschränkt, obwohl der Gehalt an gelöstem Sauerstoff in kälterem Wasser zunimmt. Auch zu niedrige Temperaturen führen zu osmoregulatorischen Problemen. Ausserdem wird die Produktion von Antikörpern in kaltem Wasser stark vermindert, was eine grössere Krankheitsanfälligkeit zur Folge hat. Kranke Fische suchen instinktiv wärmere Wasserregionen auf. Ähnlich der Fieberantwort von Säugetieren. Deshalb wirkt sich eine Wärmetherapie bei kränkelnden Fischen auch oft positiv aus. Sinkt die Wassertemperatur auf unter 15°C, kann der Stoffwechsel und somit die vitalen Körperfunktionen bei Warmwasserfischen nicht mehr aufrecht erhalten werden. Betroffene Tiere verfallen in eine Kältestarre und sterben ebenfalls.

Auch ,wenn Verschiebungen der eben genannten Wasserparameter in unphysiologische Bereiche nicht gleich zum Tode der betroffenen Tiere führen und auch keine primären Krankheitssymptome verursachen, so haben diese aber mit Sicherheit je nach Stärke und Dauer der Veränderung, Stress mit allen seinen negativen Auswirkungen zur Folge.
Diese Auswirkungen müssen nicht unmittelbar zu sehen sein. Aber sie können sich auf lange Sicht durch z.B. erhöhte Krankheitsanfälligkeit bemerkbar machen. Die wahre Ursache der erhöhten Anfälligkeit wird dann meist nicht mehr erkannt und der Erfolg einer symptomatischen Krankheitsbehandlung ist nur von kurzer Dauer.

Die Toleranzschwelle der gepflegten Fische auszureizen, aus welchen Gründen auch immer, sollte nicht im Sinne des Pflegers liegen.